Ein Kondom ist gerissen, Kontakte ändern sich oder die Sorge vor HIV begleitet Sex stärker, als Ihnen lieb ist: Eine Behandlung zur HIV-Prävention (PrEP) kann das HIV-Risiko wirksam senken. Sie ist jedoch kein Medikament, das man einfach einmalig einnimmt. Vor dem Start sind ein negativer HIV-Test, Laborwerte und eine ärztliche Einschätzung erforderlich. Auch während der Anwendung gehören regelmäßige Kontrollen dazu.
PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe. Gemeint ist die Einnahme eines HIV-Medikaments vor einem möglichen HIV-Kontakt. Bei korrekter Anwendung schützt sie sehr zuverlässig vor einer HIV-Infektion durch Sex. Vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Gonorrhö, Chlamydien oder Syphilis schützt sie nicht.
Für wen kommt eine Behandlung zur HIV-Prävention infrage?
PrEP richtet sich an HIV-negative Erwachsene mit einem erhöhten HIV-Risiko. Das kann beispielsweise zutreffen, wenn jemand häufig wechselnde Sexualkontakte hat, Kondome nicht immer verwendet werden, der HIV-Status von Partnern unbekannt ist oder eine HIV-positive Person in einer Partnerschaft noch keine nachweislich unterdrückte Viruslast hat. Entscheidend ist nicht die sexuelle Orientierung, sondern die individuelle Situation.
Die ärztliche Beratung klärt, ob PrEP wirklich die passende Vorsorge ist. Wer nur selten oder in klar planbaren Situationen einem Risiko ausgesetzt ist, braucht möglicherweise keine Dauereinnahme. Nach einem bereits geschehenen Risikokontakt ist PrEP nicht die richtige Maßnahme: Dann kann eine HIV-Postexpositionsprophylaxe, kurz PEP, nötig sein. Sie muss möglichst innerhalb von 24 Stunden, spätestens innerhalb von 72 Stunden begonnen werden und wird ärztlich dringend beurteilt.
Welche Medikamente werden bei PrEP eingesetzt?
Die in Deutschland etablierte orale PrEP kombiniert die Wirkstoffe Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin. Sie wird als Tablette eingenommen und ist verschreibungspflichtig. Es gibt Originalpräparate und Generika. Beide Wirkstoffe hemmen die Vermehrung von HIV, falls das Virus in den Körper gelangt.
Für Erwachsene ist die tägliche Einnahme die zugelassene und am besten untersuchte Anwendung. Der Schutz baut sich nicht bei allen Körpergeweben gleich schnell auf. Deshalb sollte der Einnahmebeginn und ein möglicher Absetzzeitpunkt mit der behandelnden Praxis besprochen werden, statt die Tabletten kurzfristig nach Gefühl einzunehmen.
Eine anlassbezogene Einnahme nach dem sogenannten 2-1-1-Schema wird in bestimmten Leitlinien für cisgeschlechtliche Männer diskutiert, die analen Sex haben. Dabei werden zwei Tabletten vor dem Kontakt und weitere Tabletten danach eingenommen. Diese Anwendung ist nicht für jede Person und nicht für vaginalen oder frontalen Sex gleich gut belegt. Sie sollte nur nach konkreter ärztlicher Anleitung erfolgen und ersetzt keine Untersuchung vorab.
Lang wirksame PrEP-Spritzen mit Cabotegravir sind in der EU zugelassen. Ob, für wen und unter welchen Bedingungen sie in Deutschland praktisch verfügbar oder erstattungsfähig sind, kann sich ändern. Sie erfordern Termine in einer medizinischen Einrichtung und eine besonders sorgfältige HIV-Teststrategie. Eine Spritze ist daher nicht automatisch die einfachere Alternative zur Tablette.
Untersuchung, Rezept und Kontrollen: So läuft PrEP ab
Vor der ersten Verordnung muss sicher feststehen, dass keine HIV-Infektion besteht. Wird eine PrEP bei unerkannter HIV-Infektion begonnen, kann sich eine Resistenz gegen einzelne HIV-Wirkstoffe entwickeln. Ärztinnen und Ärzte kombinieren deshalb die Angaben zu jüngsten Risiken und Beschwerden mit geeigneten HIV-Tests. Bei sehr frischem Risiko kann ein Test zu früh noch unauffällig sein. Dann können ein weiterer Test oder zunächst andere Maßnahmen erforderlich sein.
Zur Eingangsuntersuchung gehören üblicherweise ein HIV-Test, die Kontrolle der Nierenfunktion sowie Tests auf Hepatitis B und weitere sexuell übertragbare Infektionen. Bei Hepatitis B ist besondere Aufmerksamkeit nötig: Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin wirken auch gegen dieses Virus. Ein unbegleitetes Absetzen kann bei bestehender Hepatitis B problematisch sein.
Ist PrEP medizinisch geeignet, stellt eine dazu berechtigte Ärztin oder ein Arzt ein Rezept aus. Unter laufender PrEP erfolgen in der Regel mindestens alle drei Monate HIV-Tests und Gespräche zu Einnahme, Verträglichkeit und Risiken. Tests auf andere STI werden je nach Sexualpraktiken und Befunden ergänzt. Die Nierenfunktion wird regelmäßig kontrolliert – bei erhöhtem Risiko für Nierenprobleme häufiger.
Bei gesetzlich Versicherten kann die PrEP-Versorgung einschließlich der notwendigen Untersuchungen unter bestimmten Voraussetzungen über die Krankenkasse abgerechnet werden. Ob eine Praxis daran teilnimmt und ob Zuzahlungen anfallen, sollte vorab geklärt werden. Privatversicherte sollten Kostenübernahme und Tarifbedingungen direkt mit Versicherer und Praxis prüfen.
Nebenwirkungen und Grenzen der PrEP
Viele Menschen vertragen die orale PrEP gut. Zu Beginn können vorübergehend Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall oder Müdigkeit auftreten. Relevanter, aber deutlich seltener, sind Auswirkungen auf die Nierenfunktion und auf die Knochendichte. Deshalb sind Laboruntersuchungen kein optionales Extra, sondern Teil einer sicheren Behandlung.
Besondere Vorsicht ist bei bestehenden Nierenerkrankungen, bestimmten Schmerzmitteln wie nichtsteroidalen Antirheumatika in hoher oder häufiger Dosierung sowie bei anderen Medikamenten mit möglicher Nierenbelastung angebracht. Auch Nahrungsergänzungsmittel und Drogen sollten im Anamnesegespräch offen angesprochen werden. Die Praxis kann dann Wechselwirkungen und Alternativen prüfen.
PrEP schützt ausschließlich vor HIV. Kondome bleiben sinnvoll, wenn Schutz vor anderen STI gewünscht ist. Sie können zudem in Situationen helfen, in denen Tabletten vergessen wurden oder eine regelmäßige Kontrolle gerade nicht möglich ist. Regelmäßige Tests sind auch dann sinnvoll, wenn keine Beschwerden bestehen – viele STI verursachen zunächst keine Symptome.
Ist eine Online-Anfrage für PrEP möglich?
Digitale Gesundheitsdienste können den organisatorischen Einstieg erleichtern, ersetzen bei PrEP aber nicht automatisch die notwendigen Tests. Typischerweise füllen Interessierte zunächst einen ausführlichen medizinischen Fragebogen aus. Darin werden unter anderem HIV-Tests, Nierenerkrankungen, Hepatitis, aktuelle Medikamente und mögliche Risikokontakte abgefragt. Eine unabhängige Ärztin oder ein unabhängiger Arzt prüft diese Angaben und kann Rückfragen stellen.
Nur wenn die Behandlung nach dieser Prüfung klinisch angemessen ist und erforderliche Befunde vorliegen, kann ein Rezept ausgestellt werden. Ein Rezept ist nicht garantiert. Das verschriebene Arzneimittel kann anschließend über eine zugelassene EU-Apotheke sicher abgegeben und je nach Anbieter diskret versendet werden. Lieferzeiten, ärztliche Gebühren, Apothekenpreis und mögliche Laborkosten sollten vor einer Anfrage transparent ausgewiesen sein.
Gerade bei einer ersten PrEP-Verordnung kann ein Vor-Ort-Termin sinnvoll oder notwendig sein, etwa wenn Blutentnahmen, eine körperliche Untersuchung oder eine rasche Abklärung nach einem frischen Risiko gebraucht werden. Prüfen Sie bei jedem Online-Angebot, wer ärztlich verantwortlich ist, welche Befunde akzeptiert werden, wie Nachkontrollen organisiert sind und ob die Abgabe über eine regulierte Apotheke erfolgt. Pharmako Express vermittelt keine ärztliche Beratung und verkauft keine Arzneimittel.
Fragen, die Sie zur PrEP-Sprechstunde mitnehmen können
Eine gute Vorbereitung spart Zeit und macht die Entscheidung leichter. Notieren Sie den Zeitpunkt Ihres letzten HIV-Tests, mögliche Risiken in den vergangenen Wochen, alle eingenommenen Medikamente sowie bekannte Nieren- oder Lebererkrankungen. Fragen Sie außerdem, welches Einnahmeschema in Ihrer Situation medizinisch belegt ist, wann Kontrollen stattfinden und was bei ausgelassenen Dosen zu tun ist.
Auch ein Gespräch über die eigene Lebensrealität gehört dazu: Wie regelmäßig sind Kontakte? Ist eine tägliche Tablette realistisch? Gibt es Phasen, in denen eine andere Präventionsstrategie besser passt? PrEP ist besonders wirksam, wenn die medizinische Planung zu Ihrem Alltag passt und die Kontrollen verlässlich eingehalten werden.
Quellen und Stand
Fachliche Grundlage sind die deutsch-österreichischen Leitlinien zur PrEP der Deutschen AIDS-Gesellschaft, die Informationen des Robert Koch-Instituts sowie die Produktinformationen zu Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil und Cabotegravir. Stand der Angaben: Oktober 2026. Arzneimittelzulassungen, Erstattung und Verfügbarkeit können sich ändern.
Der sinnvolle nächste Schritt ist daher keine vorschnelle Bestellung, sondern ein aktueller HIV-Test und ein offenes Gespräch mit einer qualifizierten Praxis oder einem transparenten ärztlichen Online-Dienst. So lässt sich klären, ob PrEP zu Ihrem Risiko, Ihrer Gesundheit und Ihrem Alltag passt.
